Wer bin ich und wenn ja, wieviele?
Manchmal wird so eine Hex ja tiefsinnig. Sehr tief. Und dann frag ich mich:
Wer, verflixt noch mal, bin ich?
Es fällt mir immer wieder auf, wie sehr ich mich jeweils ändere, wenn die Menschen in meinem Leben wechseln. Die Frau, die vormittags im Büro arbeitet, ist schon anders, als die Mutter, die dann
Essen kocht, Haushalt macht, Kinder hütet. Nochmal anders wird es, wenn ich auf Menschen treffe, die ich sehr gerne mag, die aber völlig unterschiedlich sind. Oder gar auf Menschen, die ich gar
nicht mag.
Treffe ich einen ruhigen, besonnen Freund, werde ich ebenfalls sehr ruhig. Verabrede ich mich mit einem Menschen, der Spaß und "Gaudi" verbreitet, ziehe ich in diese Richtung mit.
Und manchmal steh ich urplötzlich zwischen zwei völlig verschiedenen Menschen, die aber beide auf ihre Art einfach wundervoll sind und ich fühle mich auf ein mal wie zerrissen. Wo ziehts mich
hin? Was will ich? Was passt besser für mich?
Nach der durchschnittlichen Meinung hieße es jetzt: Wieso das denn. Bleib doch du selbst! Drehst du dein Fähnchen immer nach dem Wind? Oder ist es nicht eher so, dass es einfach eine sehr schöne
menschliche Gabe ist, sich auf andere Menschen und Wesen einzustellen? Muss man denn immer ganz und gar nur man selbst sein? Und: Wer ist das schon?
Ich kenne ein paar Menschen, die immer nur sie selbst sind. Aber sie sind auch nicht einfühlsam. Sie wirken starr auf mich. Was natürlich wieder dazu führt, dass ich mich in deren Gegenwart
ebenfalls starr benehme....
Es ist nicht so, dass ich nicht ganz klare und eindeutige Meinungen habe und diese auch vertrete. Aber weshalb sollte es falsch sein, bei einem ruhigen Menschen die eigene Art ruhig zu vertreten,
bei einem starren Menschen dann eben starr und so weiter? Ich finde, das Eingehen auf andere Gefühlswelten erleichtert die Kommunikation und führt zu wesentlich angenehmeren und auch besseren
Resultaten.
Unsere gesellschaftliche Welt ist sowieso schon viel zu starr. Nicht laut lachen – und inzwischen fällt mir das wirklich schwer – und schon gar nicht weinen, tststs, das geht ja gar nicht! Und
wer schreit hat Unrecht.
Aber was passiert denn, wenn ich laut lache? Warum muss mir das peinlich sein? Und wenn es mir zum weinen ist, kann es doch nicht mein Problem sein, wenn "man das nicht macht". Was passiert, wenn
man mal schreit, wenn der Druck einfach zu groß wird?
All das wäre nicht so schlimm, im Gegenteil, es wäre natürlich! Denn genau diese Dinge – und natürlich noch viele mehr – machen doch unsere Ausdruckmöglichkeiten erst vollständig. Genau so zeigt
Mensch Gefühle – eigentlich.
Hmpff.... alles gesellschaftlich wegerzogen. Sauber versteckt und aufgeräumt. Immer lächeln. Durchsetzungsfreudig sein. Nicht schreien, sondern diskutieren. Und was wird aus den Gefühlen?
Unsere Gefühle sind trotzdem noch natürlich. Und was der Verstand nicht zulässt, staut sich auf. Aufgestaute Gefühle machen krank. So. Und wo unter diesem ganzen Chaos bin nun ich?
Ich hab mich gefunden. Ich bin ich. Ich weiss ganz genau, wer ich bin. Auch wenn ich mich den Gefühlswelten Anderer gerne hingebe, bleibt mein Kern ganz und gar ich. Und dann, nachts im Wald,
leuchtet dieser Kern – und ich bin zuhaus.